21.01.2026 Blauzungenkrankheit in Nordrhein-Westfalen: Ministerin Gorißen ruft zu Schutzimpfungen auf Das Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz teilt mit: Für Menschen stellt sie kein Risiko dar, für Rinder, Schafe, Ziegen und andere Wiederkäuer ist sie hingegen sehr gefährlich: Die Blauzungenkrankheit. Im Jahr 2025 meldete Nordrhein-Westfalen dank zahlreicher Impfungen bei Schafen und Rindern nur wenige durch den Serotyp 3 des Virus (BTV-3) bedingte Ausbrüche. Aktuell wurde jedoch bei einem einzelnen Kalb aus der Städteregion Aachen das Blauzungenvirus vom Serotyp 8 (BTV-8) nachgewiesen – dieser Virustyp war in den vergangenen Jahren in Deutschland nicht mehr aufgetreten. Ein bereits bestehender 150-Kilometer-Radius um einen zuvor bestätigten Fall im benachbarten Rheinland-Pfalz musste daraufhin erweitert werden, so dass nun mehr als die Hälfte von Nordrhein-Westfalen von einem 150-Kilometer-Radius rund um einen BTV-8-Ausbruchsberieb herum betroffen ist. In diesem Gebiet sind bei Verbringungen besondere Bedingungen zu beachten. Gegen BTV-8 stehen in Deutschland zugelassene und gut wirksame Impfstoffe zur Verfügung. Vor dem Hintergrund der aktuellen Situation appelliert Ministerin Silke Gorißen an Betriebe mit entsprechenden Nutztierhaltungen: „Das Virus der Blauzungenkrankheit ist ein Virus, das großes Tierleid hervorrufen kann, wenn die Erkrankung ausbricht. Um die Tiere vor schweren klinischen Erkrankungen zu schützen und im Fall von BTV-8 auch Verbringungsbeschränkungen zu vermeiden, empfehlen wir, alle Tiere, die sich mit dem Virus infizieren können, gegen BTV impfen zu lassen. Die ersten Tiere, die Symptome einer Blauzungenkrankheit aufweisen, sind umgehend dem zuständigen Veterinäramt zu melden.“ Entsprechende Informationen zu BTV-8 für Tierhalterinnen und Tierhalter, eine interaktive Landkarte zur Überprüfung der eigenen Betroffenheit sowie gegebenenfalls erforderliche Vordrucke für Tierhaltererklärungen sind auf der Homepage des Landesamtes für Verbraucherschutz und Ernährung NRW (LAVE) zu finden: https://www.lave.nrw.de/themen/tiere/tiergesundheit/tierseuchen/blauzungenkrankheit Alle Beteiligten werden darum gebeten, sich rechtzeitig über die aktuell gültigen Verbringungsbedingungen zu informieren, insbesondere, wenn sie Tiere in andere Mitgliedstaaten transportieren möchten. Zu beachten ist außerdem, dass der Serotyp 3 des Virus (BTV-3) nach wie vor im gesamten Bundesgebiet präsent ist. Das Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen empfiehlt daher ebenfalls, die Impfungen gegen BTV-3 bei empfänglichen Tieren fortzuführen, um unnötiges Tierleid zu verhindern und Tierverluste zu minimieren. Sowohl Grundimmunisierungen als auch Wiederholungsimpfungen von Tieren, die bereits im vergangenen Jahr geimpft worden sind, sollten spätestens im Mai abgeschlossen sein. Bei speziellen Fragen zur Impfung sollten Halterinnen und Halter ihre Hoftierärztinnen und Hoftierärzte oder den Tiergesundheitsdienst der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen kontaktieren. Generell gilt, dass vor allem Schafe und Rinder und deren Jungtiere, die bislang nicht geimpft sind oder noch keinen Kontakt zum Virus der Blauzungenkrankheit hatten, ge-fährdet sind. Für BTV-3-Impfungen bei Schafen und Rindern erstattet die Tierseuchenkasse eine Beihilfe. Auch bei Schafen kann eine zweimalige Impfung im Rahmen der Grund-immunisierung bezuschusst werden. Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage der Tierseuchenkasse NordrheinWestfalen: https://www.landwirtschaftskammer.de/landwirtschaft/tierseuchenkasse/leistungen/beihilfen/index.htm Hintergrund Im Herbst 2023 kam es in Nordrhein-Westfalen zu ersten Ausbrüchen der Blauzungenkrankheit verursacht durch BTV-3. Im Sommer 2024 folgte ein massives Seuchengeschehen, da ein Impfstoff erst spät zur Verfügung stand. Nach einem dank zahlreicher Impfungen ruhigen Jahr 2025 kommt es seit Oktober des vergangenen Jahres immer wieder zu Nach-weisen von Infektionen mit BTV-8 auch in Deutschland. Nachdem zunächst umliegende Mitgliedstaaten wie Frankreich und Belgien betroffen waren, wurde das Virus ab Anfang Oktober in Baden-Württemberg, Bayern, dem Saarland, Sachsen und Rheinland-Pfalz mehrfach nachgewiesen. Anfang des Jahres trat BTV-8 dann auch in Nordrhein-Westfalen auf. Bei der Blauzungenkrankheit handelt es sich um eine anzeigepflichtige, virusbedingte, meist akut verlaufende Krankheit vor allem der Schafe und Rinder. Auch andere Wiederkäuer sind empfänglich. Erkrankte Tiere zeigen zum Beispiel Fieber, Lahmheiten, Apathie und teilweise Schleimhautläsionen bis hin zu Aborten und Todesfällen. Eine erhöhte Sterblichkeit aufgrund des BTV-Geschehens wurde während des Geschehens seit 2023 insbesondere bei Schafen, aber auch bei Rindern beobachtet. In Milchviehbetrieben sank die Milchleistung häufig sehr deutlich. Die Genesung erkrankter Tiere dauerte oft Wochen bis Monate und eine Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit ist nicht immer gegeben. Das Virus, bei dem insgesamt 24 verschiedene Serotypen unterschieden werden, wird nicht direkt von Tier zu Tier, sondern über kleine, blutsaugende Mücken (Gnitzen) übertragen, die bis zu 150 Kilometer weit fliegen können. Warme Außentemperaturen begünstigen die Aktivität und Vermehrung der Gnitzen. Für den Menschen besteht keine Gefahr, Fleisch und Milch-produkte können ohne Bedenken verzehrt werden. Hilfreiche Links: Hinweise zu den Verbringungsregelungen und ggf. erforderliche Vordrucke für Tierhaltererklärungen etc. finden Sie auf der Homepage des LAVE: https://www.lave.nrw.de/themen/tiere/tiergesundheit/tierseuchen/blauzungenkrankheit Die grundsätzlichen rechtlichen Regelungen sind wie gewohnt in den Verordnungen (EU) 2020/688 und (EU) 2020/689 und im Fall spezifischer Verbringungsbedingungen einzelner Mitgliedstaaten unter folgendem Link finden: https://food.ec.europa.eu/animals/animal-diseases/surveillance-eradication-programmes-and-disease-free-status/bluetongue_en#movements Aktuelle Informationen des Friedrich-Loeffler-Instituts zur Blauzungenkrankheit können unter folgender Adresse eingesehen werden: https://www.fli.de/de/aktuelles/tierseuchengeschehen/blauzungenkrankheit/ Die aktuellen Empfehlungen der Ständigen Impfkommission Veterinärmedizin (StIKO Vet) zur BTV-3-Impfung und eine Information zu BTV8 finden Sie hier: https://www.openagrar.de/servlets/MCRFileNodeServlet/openagrar_derivate_00060106/2025-03-03_Aktualisierte_BTV-3-Impfempfehlung_korr.pdf https://stiko-vet.fli.de/de/aktuelles/einzelansicht/btv-8-ist-zurueck-indeutschland/ Pressekontakt: leonie.molls@mlv.nrw.de, Tel: 0211-3843-1046 Artikel teilen: